Venezien

Flagge von VenetienVenetien bzw. Venezien (auf italienisch: Veneto und auf venezianisch: Vèneto) ist eine Region in Nordostitalien mit 18.378 km² und fast 4,9 Millionen Einwohnern. Die regionale Hauptstadt ist Venedig.

Historisch gesehen gehörte die Region die meiste Zeit zur Republik Venedig, deren Terraferma sie bildete. 1797 kam der größte Teil des Gebietes nach dem Frieden von Campo Formio zu Österreich. Nach der Niederlage Österreichs gegen Napoleon in Austerlitz und dem Pressburger Frieden wurde Venetien 1805 dem von Frankreich abhängigen Königreich Italien zugeschlagen; 1815 kam es durch den Wiener Kongress wieder zu Österreich. Nach dem dritten Unabhängigkeitskrieg kam die Region schließlich 1866 zu Italien.

Venetien war ein bedeutender Schauplatz des Ersten Weltkrieges. Dort wurde die entscheidende Schlacht von Vittorio Veneto geschlagen, woraufhin bei Padua der Waffenstillstand von Villa Giusti zwischen dem Königreich Italien und Österreich-Ungarn unterfertigt wurde.

Bis Anfang der 1970er Jahre war das arme Venetien ein ausgesprochenes Auswanderungsland. Zwischen 1870 und 1970 verließen über 3 Millionen Menschen die Region, bis 1930 vor allem in Richtung Lateinamerika und danach verstärkt in andere Gegenden Italiens.

Seit der Industrialierung im Zuge der 1970er Jahre sind zahlreiche Süditaliener nach Venetien gezogen, aber auch viele Ausländer, hauptsächlich Nordafrikaner und Osteuropäer, so dass zum 31. Dezember 2007 rund 403.985 ausländische Staatsangehörige (8,36% der Regionalbevölkerung) ansässig waren.

Neben Italienisch sprechen die meisten Einwohner ihren venezianischen Dialekt. Es werden auch Deutsch (in Sappada), Friaulisch (in und um Portogruaro) und Ladinisch (Cortina, Col und Fodom) gesprochen. Da die Region über keinen Autonomiestatus verfügt, werden die Minderheitensprachen kaum gepflegt. Die zimbrischen Sprachinseln in Asiago sind infolge der faschistischen Italianisierung beinahe ausgestorben.

Die traditionell konservativ und stark katholisch geprägte Region war über Jahrzehnte eine Hochburg der italienischen Christdemokraten. Seit den 1990er Jahren wird die Region von Mitte-Rechts-Bündnissen regiert.

Venetien gehört zu den wirtschaftsstärksten Regionen Italiens, die seit dem Zweiten Weltkrieg eine strukturelle Unwandlung von einer landwirtschaftlich geprägten Gegend in eine Industrieregion erlebt hat. Dennoch hat die Landwirtschaft nach wie vor eine bedeutende Rolle. Venetien ist eine bedeutende Weinbauregion: hier werden die Weinsorten Valpolicella und Prosecco erzeugt. Auch der Radicchio ist ein typisch regionales Produkt. Die Industrie besteht hauptsächlich aus kleinen und mittleren Betrieben. In der Provinz Venedig findet man Öl-Raffinerien, vor allem in Porto Marghera, Chemieindustrien und Schiffwerften. In Noale ist der Motorrad- und Motorrollerhersteller Aprilia ansässig. In den Provinzen Verona und Rovigo ist die Lebensmittelindustrie besonders stark vertreten. In der Provinz Rovigo, in Porto Tolle, befindet sich übrigens Italiens größtes thermoelektrisches Stromkraftwerk. In der Provinz Vicenza sind Goldschmieden ansässig, wobei auch die Modeindustrie stark vertreten ist: Diesel und Bottega Veneta sind zwei große Modenamen aus der Gegend. Die Provinz Padua ist in der Metallverarbeitung stark. Belluno ist mit Luxottica ein Zentrum der Brillenherstellung. In der Provinz Treviso sind die Modeunternehmen Benetton und Geox ansässig.

Sehr bedeutender Wirtschaftszweig ist der Tourismus: Venetien ist Italiens erste Touristenregion, mit über 14 Millionen Touristen im Jahr 2007 (davon kamen über 20% aus Deutschland). Neben Venedig sind auch die Opernstadt Verona und die Universitätsstadt Padua beliebte Touristenziele, wie auch der Dolomitenort Cortina d’Ampezzo, die Gardaseegemeinden Peschiera, Garda und Malcesine, der Thermalkurort Abano Terme, die Seebäder Jesolo und Caorle.

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